
Tote Karpfen am Bodensee – natürliche Ursache im kalten Frühjahr
Natürliche Ursachen, kühles Frühjahr, Klimawandel als Verstärker
An mehreren Uferabschnitten des Bodensees werden derzeit tote Karpfen gemeldet. Landratsamt und Fachbehörden schließen Schadstoffe aus und gehen von einer natürlichen Ursache aus – kaltes Wasser, erschöpfte Energiereserven und Krankheitsdruck.
In den vergangenen Tagen wurden an mehreren Uferabschnitten des Bodensees tote Fische gemeldet, überwiegend Karpfen. Das Landratsamt Bodenseekreis bestätigte: Hinweise auf Schadstoffe oder andere äußere Einflüsse liegen nicht vor. Untersuchungen des Staatlichen Tierärztlichen Untersuchungsamts Aulendorf laufen, Virus-Erreger wurden bisher nicht nachgewiesen. Fachleute gehen von einer natürlichen Ursache aus – wie bereits beim vergleichbaren Ereignis im Frühjahr 2024.

Warum trifft es gerade die Karpfen?
Karpfen sind Warmwasserfische. Im Bodenseeraum reagieren sie empfindlich auf die noch kühlen Temperaturen im Frühjahr. Nach einem langen Winter sind die Energiereserven der Tiere oft erschöpft. Wenn das Wasser nur langsam erwärmt wird und gleichzeitig das Nahrungsangebot knapp ist, steigt die Anfälligkeit für Krankheiten – insbesondere für Verpilzungen und bakterielle Infektionen.
Hinzu kommt: Im Sommer flüchten Karpfen und karpfenähnliche Fische häufig vor Kormoranen in die Häfen. Dort sammeln sich größere Schwärme auf engem Raum. Diese Schwarmbildung verkürzt Infektionswege und begünstigt die Ausbreitung von Parasiten.
Die Einschätzung der Fachbehörden
Das Landesfischereizentrum Vorarlberg ordnet das Geschehen als jährlich wiederkehrendes Ereignis ein, das im Zusammenhang mit der Laichzeit verschiedener Fischarten im Mai und Juni steht. Besonders betroffen sind Barsch, Brachse und Zander. Der Stress beim Laichgeschäft schwächt die Tiere zusätzlich.
Während das Ausmaß am Südufer (Schweiz, Vorarlberg) im durchschnittlichen Bereich liegt, wurden am Nordufer (Bayern, Baden-Württemberg) regional überdurchschnittlich viele tote Fische festgestellt. Bei Westwind treibt ein Teil davon in die Bregenzer Bucht.
Klimawandel als Hintergrund
Warme Frühjahre mit Temperaturschwankungen sind für Karpfen eine besondere Belastung. Steigt die Wassertemperatur zu früh, beschleunigt sich ihr Stoffwechsel – doch passende Nahrung ist im noch kalten See kaum vorhanden. Dieser Widerspruch zwischen Energiebedarf und Nahrungsangebot ist ein Muster, das mit dem Klimawandel häufiger auftreten dürfte.
Was bedeutet das für uns als Angler?
Für den Fischereiverein Wangen e.V. ist das Geschehen am Bodensee ein Anlass, ein genaueres Auge auf unsere eigenen Gewässer zu haben. Auffällige Häufungen toter Fische bitte dem Vorstand melden – mit Ort, Uhrzeit und möglichst Foto. So lassen sich natürliche Ursachen von tatsächlichen Belastungen unterscheiden und im Bedarfsfall rasch die zuständigen Behörden einbinden.
Wichtig: Tote Fische bitte nicht anfassen und Hunde fernhalten, solange die Ursache nicht abschließend geklärt ist.
Quellen
SWR Aktuell, 18.04.2026 – Tote Karpfen im Bodensee. Pressemitteilung Landratsamt Bodenseekreis vom 17./18.04.2026. Landesfischereizentrum Vorarlberg, Mitteilung zu toten Fischen am Bodenseeufer.
